Mann zeigt mit Finger auf Presse-Mitteilungen der CONSERVE Gruppe.
Presse-Mitteilung

Blockchain: Anwendungsbeispiele, Status und weitere Aussichten

Foto: MikeBlogs on visualhunt.com

Bevor sich Unter­neh­men über die Umstruk­tu­rie­rung ihrer IT-Pro­zes­se mit Hil­fe von Block­chain-Tech­no­lo­gie Gedan­ken machen und Inves­ti­tio­nen täti­gen, müs­sen sie zunächst die Limi­tie­run­gen ver­ste­hen. Block­chain wird zur­zeit als das All­heil­mit­tel für alle IT-Pro­ble­me der Zukunft geprie­sen. Das stimmt nicht.

Nüch­tern betrach­tet ist eine Block­chain der inef­fi­zi­en­tes­te und teu­ers­te Daten­spei­cher (Kos­ten pro Byte), den die Mensch­heit bis­her ent­wi­ckelt hat. Anders gesagt besteht eine sehr gro­ße Asym­me­trie zwi­schen dem Schrei­ben und Lesen von Daten in einer Block­chain. Wäh­rend das Schrei­ben mit sehr hohen Kos­ten ver­bun­den ist, kön­nen die Daten von jedem kos­ten­güns­tig und dezen­tral gele­sen und über­prüft wer­den. Zudem eig­net sich eine Block­chain auch nur für „öffent­li­che“ Daten. Schüt­zens­wer­te, inter­ne Unter­neh­mens- und Per­so­nen­da­ten haben in einer Block­chain nichts zu suchen. Es fin­den zwar kryp­to­gra­phi­sche Funk­tio­nen (Hash­funk­tio­nen und Publi­c/­Pri­va­te-Key Algo­rith­men) Anwen­dung, aller­dings nicht zur „Ver­schlüs­se­lung“, son­dern nur zur Authen­ti­fi­zie­rung und Konsistenzsicherung.

Durch Netzwerkeffekte wird die Blockchain unmanipulierbar

Neben all die­sen Nach­tei­len gegen­über klas­si­schen Daten­ban­ken haben Block­chains einen gewal­ti­gen, poten­ti­el­len Vor­teil: Soll­te eine Block­chain einen aus­rei­chend gro­ßen Netz­werk­ef­fekt errei­chen – also vie­le Nut­zer, die sich an der Vali­die­rung und Siche­rung der Block­chain betei­li­gen – dann hat man einen Daten­spei­cher der „prak­tisch“ unver­än­der­bar und nicht mehr mani­pu­lier­bar ist. Eine Eigen­schaft, die tra­di­tio­nel­le Daten­ban­ken nicht leis­ten kön­nen. Die Sicher­heit einer Block­chain steht und fällt jedoch mit der Anzahl der Nut­zer, dem ver­wen­de­ten Kon­sens­me­cha­nis­mus und der zur Siche­rung auf­ge­wen­de­ten Kos­ten. Wenn eine Block­chain „zu klein“ ist oder einen schwa­chen Kon­sens­me­cha­nis­mus ver­wen­det, dann ist sie „angreif­bar“ und stellt eher eine Gefahr für die unter­neh­mens­in­ter­ne IT dar.

Descryp­ti­ve on visualhunt.com Aus die­sen Grün­den kann die Inte­gra­ti­on von Block­chain-Tech­no­lo­gie nicht im Allein­gang von einem Unter­neh­men ent­schie­den wer­den. Viel­mehr muss man sich mit sei­nen Geschäfts- und Pro­zess­part­nern an einen Tisch set­zen und gemein­sam ent­schei­den, wel­che Block­chain man ein­set­zen und wel­che gemein­sam ver­wen­de­ten Daten man dar­in spei­chern möch­te. Der Vor­teil für alle Betei­lig­ten: Der Import von gemein­sam genutz­ten Daten in die unter­neh­mens­in­ter­nen Daten­ban­ken ent­fällt. Es wird direkt „lesend“ auf die Daten in der Block­chain zuge­grif­fen. Feh­ler und Inkon­sis­ten­zen beim Import fal­len sofort auf und alle Betei­lig­ten ope­rie­ren auf dem glei­chen Daten­stand. Die kürz­lich ver­kün­de­te Koali­ti­on der größ­ten Auto­mo­bil­her­stel­ler zur MOBI (Mobi­li­ty Open Block­chain Initia­ti­ve) zeigt genau die­se Vor­ge­hens­wei­se..

Aller­dings wird sich noch zei­gen, ob jede Bran­che wirk­lich ihre eige­ne Block­chain braucht oder ob die bestehen­den gro­ßen öffent­li­chen Block­chains wie Bit­coin, Ethe­re­um und Lite­coin nicht aus­rei­chend und dabei wesent­lich kos­ten­güns­ti­ger für Unter­neh­men sind. Denn ein Groß­teil der Ent­wick­lungs­kos­ten für die­se Block­chains ist schon geleis­tet wor­den und sie funk­tio­nie­ren sta­bil und sicher. Schließ­lich ist es für die meis­ten Unter­neh­men auch „güns­ti­ger“, sich mit ihren Geschäfts- und Pro­zess­part­nern über das Inter­net zu ver­bin­den, anstatt eige­ne Netz­wer­ke dafür zu ent­wi­ckeln und auf­zu­bau­en. Des­we­gen ent­schei­den sich cle­ve­re CTOs und Unter­neh­mer für die Inte­gra­ti­on ihrer IT mit den öffent­li­chen Block­chains, statt mit hohen Kos­ten eige­ne Block­chains zu ent­wi­ckeln und zu betreiben.

Für Zensurresistenz ist die Blockchain-Technologie unverzichtbar

Wel­che kon­kre­ten Anwen­dungs­fäl­le erge­ben sich nun für Unter­neh­men? Der pri­mä­re Use Case für Block­chain-Tech­no­lo­gie ist auch 2018 wei­ter­hin Zen­sur­re­sis­tenz. Wenn Zen­sur­re­sis­tenz ein wich­ti­ges Kri­te­ri­um ist, kommt man um den Ein­satz von Block­chain-Tech­no­lo­gie nicht her­um. Für die meis­ten ande­ren Anwen­dungs­fäl­le ist es eine Fra­ge der Kos­ten. Selbst wenn man auf die offe­nen Block­chains setzt und somit die Ent­wick­lungs­kos­ten spart, ent­ste­hen den­noch ein­ma­li­ge Inte­gra­ti­ons­kos­ten und die lau­fen­den Kos­ten für das „Schrei­ben“ von Daten in die öffent­li­chen Block­chains. Dazu kommt der Fach­kräf­te­man­gel im Block­chain-Bereich: Auf einen Block­chain-Ent­wick­ler kom­men zur­zeit 15 offe­ne Stel­len. Die meis­ten Anwen­dungs­fäl­le, die heu­te im Zusam­men­hang mit der Tech­no­lo­gie dis­ku­tiert wer­den, las­sen sich für Unter­neh­men auch mit Hil­fe von ver­teil­ten Daten­ban­ken abbil­den und es braucht dafür gar kei­ne Blockchain.

Es gibt aller­dings einen kon­kre­ten Anwen­dungs­fall, der davon aus­ge­nom­men ist: „Trus­ted Times­tam­ping“. Unter Times­tam­ping ver­steht man einen Pro­zess, der Daten mit einem Zeits­tem­pel und einer digi­ta­len Signa­tur ver­sieht, um sie juris­tisch beweis­bar vor Ver­än­de­rung zu schützen.

Ein kon­kre­tes Bei­spiel: Auf­grund von gesetz­li­chen Vor­ga­ben müs­sen Auto­mo­bil­her­stel­ler für jedes gebau­te Fahr­zeug gewis­se Prüf­da­ten für Jahr­zehn­te auf­he­ben. Bei­spiels­wei­se das kon­kre­te Dreh­mo­ment von sicher­heits­kri­ti­schen Ver­schrau­bun­gen. Die­se Daten wer­de heu­te in einer digi­ta­len „Fahr­zeug­ak­te“ fest­ge­hal­ten und an einen ver­trau­ens­wür­di­gen Dienst­leis­ter über­ge­ben, der die Daten mit einem Zeits­tem­pel und einer digi­ta­len Signa­tur ver­sieht und revi­si­ons­si­cher aufbewahrt.

Die­sen als „Times­tam­ping“ bezeich­ne­ten Vor­gang könn­ten die Auto­mo­bil­her­stel­ler heu­te schon selbst erle­di­gen und auf den „Mit­tels­mann“ dafür ver­zich­ten – und das, ohne eine eige­ne Block­chain ent­wi­ckeln zu müs­sen. Offe­ne Block­chains wie Bit­coin erlau­ben näm­lich, dass mit einer Trans­ak­ti­on nicht nur Kryp­to-Geld trans­fe­riert wer­den kann, son­dern auch belie­bi­ge Daten in die Trans­ak­ti­on geschrie­ben und somit dau­er­haft in der Block­chain gespei­chert wer­den kön­nen. Bei Bit­coin heißt das zuge­hö­ri­ge Feld „OP_RETURN“, das bis zu 80 Byte pro Trans­ak­ti­on erlaubt. Der digi­ta­le Fin­ger­ab­druck (Hash­wert) von Daten ver­braucht je nach Algo­rith­mus 32 Byte (SHA256) oder 64 Byte (SHA512) und passt somit locker in eine Bit­coin-Trans­ak­ti­on. Und das bei Trans­ak­ti­ons­ge­büh­ren von aktu­ell weni­ger als 1 Cent pro Byte. Wem das für sei­nen Anwen­dungs­fall noch zu teu­er ist, der kann meh­re­re Daten­sät­ze auch zusam­men­fas­sen und den kumu­lier­ten Fin­ger­ab­druck in einer öffent­li­chen Block­chain spei­chern und so die Kos­ten wei­ter redu­zie­ren. Das funk­tio­niert für belie­bi­ge Daten – auch pri­va­te / nicht-öffent­li­che. Denn der digi­ta­le Fin­ger­ab­druck, der in der Block­chain gespei­chert wird, erlaubt kei­nen Rück­schluss auf den eigent­li­chen Inhalt der Daten. Für Times­tam­ping steht bereits ein kos­ten­lo­ser, Block­chain-unab­hän­gi­ger Stan­dard und Soft­ware zur Ver­fü­gung: opentimestamps.org.

Somit sind es digi­ta­le Fin­ger­ab­drü­cke, die auf­grund ihrer Kom­pakt­heit und Kos­ten in Zukunft ver­mut­lich vor­nehm­lich in Block­chains gespei­chert wer­den. Die eigent­li­chen Daten ver­blei­ben auch in Zukunft in ihren (ver­teil­ten) Datenbanken.

Veranstaltung 23. Juli 2018

Autor Jörg Hermsdorf

Redaktion Pay­ment & Banking

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Jörg Hermsdorf

Jörg HermsdorfCloud- und Blockchain Experte, System Architect, Research & Co-Founder

Jörg hat Infor­ma­tik und Kogni­ti­ons­wis­sen­schaf­ten an der TU Dres­den stu­diert, mit Schwer­punkt auf Archi­tek­tu­ren ver­teil­ter Sys­te­me und IT-Sicher­heit. Er war Unter­neh­mens­be­ra­ter und Grün­der eines App Start-ups. Als Mit­grün­der ist er der füh­ren­de Ansprech­part­ner zu The­men rund um Block­chain-Tech­no­lo­gie und Kryp­to-Wäh­run­gen. Jörg unter­sucht seit 2010 die Bit­coin-Tech­no­lo­gie auf Schwach­stel­len und Ein­satz­mög­lich­kei­ten, sein fun­dier­tes Fach­wis­sen basiert auf jah­re­lan­ger Recher­che und Inter­ak­ti­on mit der Bit­coin- und Block­chain Community.

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